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Taxi-Buslinie zum Lisdorfer Berg gescheitert – SLS Landrat Lauer watscht Bürgermeisterin Jost ab

  • 8. Dezember 2021

Die Posse um eine Buslinie von Saarlouis zum Gewerbegebiet Lisdorfer Berg geht in die nächste Runde. Zur Erinnerung: Nicht zuletzt durch die Ansiedlung des Küchenbauers Nobilia ist einiges los in dem neuen Industriegebiet vor den Toren Neuforweilers. Zuletzt stimmten die Saarlouiser Bürger sogar für eine Erweiterung des Industriegebietes, damit dort „noch mehr Arbeitsplätze für die Zukunft Saarlouis'” geschaffen werden können. Dafür haben – bis auf die Grünen – alle Parteien kräftig die Trommel gerührt und auch dabei immer wieder die Bedenken vom Saarlouiser Grünen-Chef Hubert Ulrich hinsichtlich des Umweltschutzes rund um das Gebiet mit einem „dafür wird alles getan“ vom Tisch gewischt. Im Gegenteil, alle gaben sogar an, dass es ein “Grünes Industriegebiet” wird.

Denkste! Denn nachdem die Bürger pro Ausweitung gestimmt haben, scheint die Aufgabe – nämlich wie man Menschen umweltbewusst zu diesem schönen, grünen Industriegebiet befördern kann – so machen handelnden Kommunalpolitiker kräftig zu überfordern: Eine Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln sucht man jedenfalls auch Jahre nach dem Start des Gebietes vergeblich. Mehrfach hat Harald Feit, Geschäftsführer der Heim + Feit GmbH, welche ihr neues Domizil ebenfalls auf dem Lisdorfer Berg gebaut hat, in seiner Parallelfunktion als Vorsitzender des ‚Verbands für Handel und Gewerbe in Saarlouis‘ darauf hingewiesen, dass es dringend eine Busverbindung von Saarlouis zum Industriegebiet geben muss. 

„Die Unternehmen müssen ihre Azubis morgens selbst vom Saarlouiser Bahnhof einsammeln gehen. Das kann nicht sein“

Harald Feit – 1. Vorsitzender „Der Verband Saarlouis

So sind also immer noch alle auf dem Lisdorfer Berg tätigen Arbeitnehmer auf den eigenen PKW angewiesen. Es gibt schlicht keine andere Möglichkeit zur Arbeit zu kommen. Umweltbewusst ist das nicht! Aber was sagt die Stadt, was sagt der Kreis, was sagen die Parteien dazu? 

Vor zwei Wochen gab es im Saarlouiser Victor’s Residenz Hotel u. a. auch zu diesem Thema einen runden Tisch. Daran nahmen neben Unternehmern aus Saarlouis und dem Vorstand des Saarlouiser Gewerbeverbandes auch Vertreter der Parteien des Stadtrates teil. Für die Verwaltung war Bürgermeisterin Marion Jost (CDU) anwesend, weil Oberbürgermeister Demmer (SPD) eigenen Angaben nach andere Termine hatte. In diesem Rahmen hatte Frau Jost angegeben, dass eine Linie der Kreisverkehrsbetriebe Saarlouis (KVS) extreme Kosten verursachen würde und man nicht wisse, ob diese Verbindung überhaupt genutzt werden würde. Daher schlug die Bürgermeisterin vor, dass man für eine Testphase ein Großraumtaxi eines privaten Taxiunternehmens einsetzen könne, um die Frequenz zu testen und den Bedarf zu eruieren. Marion Jost wollte dies dann bei der nächsten Sitzung in den Saarlouiser Stadtrat einbringen. Mit diesem Vorschlag zeigten sich alle am Tisch einverstanden und man freute sich auf die weiteren Schritte. 

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Wie MySaar24 aber gestern erfuhr, wurde dieser wichtige Punkt jedoch heimlich, still und leise von der Agenda gestrichen. Landrat Patrik Lauer (SPD) zeigte sich nach Rückfrage von der Taxi-Idee gar nicht begeistert und echauffierte sich, dass das rechtlich schlichtweg einfach nicht ginge. Es bestünden hierzu exklusive Verträge und die Personenbeförderung in Linienform wäre einzig und alleine Sache der KVS. „Wenn die Stadt eine Verbindung zum Lisdorfer Berg will, muss sie zur KVS gehen“, gab der Landrat zu Protokoll. Spannend: Landrat Lauer ist auch Aufsichtsratsvorsitzender der KVS. Er mag in der Sache Recht haben – nur sucht man alternative Lösungsvorschläge vergebens. Und damit beißt sich die Katze in den Schwanz! Der Landkreis schiebt den schwarzen Peter auf die Stadt (“das muss die KVS machen”) und die Stadt auf den Landkreis (“die KVS ist zu teuer”). 

Verlierer sind die Arbeitnehmer und Auszubildenden, welche sich möglicherweise kein Auto leisten können. Und Verlierer ist auch der Umweltschutz, denn so fährt wohl auch die nächsten Jahre jeder Arbeitnehmer mit seinem eigenen Gefährt zur Arbeit auf „den Berg“.

Ob man sich im Stadtrat und im Landkreis endlich zusammen rauft? Und die Versprechen die man vor der Volksabstimmung zum Lisdorfer Berg gemacht hat, endlich auch angeht? Das glauben selbst die kühnsten Optimisten nicht mehr.

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